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Salon- und Terrassenwagen von Ludwig II.

Der Hofzug des Märchenkönigs

Auch Fürsten fahren Bahn. Durchaus üblich für Könige des 19. Jahrhunderts waren eigene Hofzüge. Jederzeit startbereit standen sie in den Bahnhöfen. Zwei prachtvolle im Original erhaltene Wagen des Bayernkönigs Ludwig II. sind im DB Museum anzuschauen.

Ludwig übernahm im Jahr 1864 mit der Regentschaft auch den hofeigenen Zug vom Vater Maximilian II. Nicht nur technisch modern wollte sich Ludwig zeigen, sondern auch kulturell und feudal. Er ließ in den nächsten sechs Jahren den vom Vater ererbten Zug zu einem Prunkzug umbauen und erweitern. Neben den persönlichen Wagen für den König gab es zwei Wagen für den Reisekommissar und das Gefolge, einen Dienerschaftswagen, einen Packwagen und zwei Küchenwagen. Von diesen Wagen existieren nur noch Zeichnungen und Fotos.

Die beiden schönsten aber, der Salon- und der offene Terassenwagen sind im Original erhalten geblieben. Für den Umbau engagierte Ludwig Franz von Seitz, Maler, Professor an der Münchner Kunstakademie und artistischer Direktor der Hofbühne. Ganz im Stile der Zeit orientierte sich der Künstler am Schloss Versailles, dem Palast von Frankreichs Monarchen Ludwig XIV. Der Zug bekommt die Farbe Blau als Zeichen des Adels und des Reichtums. Goldene Dekore mit Engelsfiguren zieren die Seiten, auf dem Dach des Salonwagens prangt weithin sichtbar die herrschaftliche Krone. Der Volksmund gibt dem Ludwigszug einen neuen Namen: "Versailles auf Rädern".

Bild vergrössern Der Salonwagen von Ludwig II., außen

Der Salonwagen von Ludwig II.

Der Salonwagen

Der Salonwagen hat vier Abteile. Das Adjutantenzimmer, in dem sich persönliche Bedienstete aufhalten konnten, ist der kleinste Raum. Es folgen der Hauptsalon, das Schlafkabinett und ein Toilettenkabinett. Der Hauptsalon ist der prachtvollste Raum des Salonwagens. Die Wände und das Mobiliar sind reich vergoldet und mit edler Atlasseide bespannt. In der Mitte des Deckengemäldes befindet sich die Deckenbeleuchtung, die sinngemäß die „Sonne“ vorstellt. Dieses Emblem sowie Lilien in den Blumenornamente verweisen auf den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich.

Das Deckengemälde wurde von Rudolf Seitz gemalt, einem Sohn von Franz Seitz. Das große Bild in der Mitte zeigt die vier Erdkreise, die die Himmelsrichtungen symbolisieren. Im Norden sieht man zwei Kinder in Pelzmänteln und Eisberge im Hintergrund. Im Süden verweisen zwei leicht bekleidete schwarze Kinder auf das sonnige Afrika. Der Westen zeigt zwei Indianerkinder mit Federschmuck und Lendenschurz in Amerika. Im Osten sieht man zwei Kinder in chinesischer und persischer Tracht. Die Darstellung wird ergänzt durch vier Eckgemälde, die Allegorien der vier Jahreszeiten darstellen.

Ludwig II. fährt Bahn

Über die Fahrten Ludwigs mit dem Hofzug ist wenig bekannt. Belegt ist, dass er mit ihm 1866 seine berühmte Frankenreise unternahm. Damals war allerdings der Salonwagen noch in seinem alten Bauzustand. In späteren Jahren reiste Ludwig mehrfach inkognito. Da sein Hofzug hierfür zu auffällig war, benutzte er zunächst Wagen, die „dem allgemeinen Verkehr dienten“. 1876 dann wurde der Bau eines „Incognito-Zuges“ beauftragt.

Nach dem Tod Ludwigs 1886

Der Hofzug Ludwigs II. war nach seinem Tod noch bis 1918 betriebsfähig. Offenbar wurde er weiterhin benutzt, denn zwischen 1891 und 1893 wurden sämtlich Wagen modernisiert. Der Salonwagen erhielt in dieser Zeit moderne Radaufhängungen, sogenannte Drehgestelle für engere Kurven. Außerdem wurde mit der Westinghouse Druckluftbremse eine moderne Bremse eingebaut.

Nach dem Ende der Monarchie kamen der Salonwagen und der Terrassenwagen in das Verkehrsmuseum Nürnberg, heute das DB Museum. Bei einem Bombeneinschlag im Zweiten Weltkrieg wurden beiden Ludwigswagen beschädigt. Nach Kriegsende stahlen Plünderer unter anderem sämtliche Bodenbeläge, die seidenen Wandverkleidungen, die Marmorplatten der Tische und die Eckgemälde an der Decke des Salonwagens. Bis zur Wiedereröffnung des Verkehrsmuseums 1953 ließ man die Gemälde neu herstellen, Verzierungen ausbessern und neu vergolden. Spiegel, Marmorplatten und Putten wurden ergänzt und sämtliche Bodenbeläge und Stoffbezüge erneuert.

Technische Daten                                                      
Baujahr   1860/1865
Hersteller Klett & Comp.
Länge Salonwagen                                  14.024 mm
Länge Terrassenwagen                            7.585 mm

Zu den beiden Ludwigswagen hat das DB Museum ein Buch unter dem Titel "Versailles auf Rädern" veröffentlicht. Nähere Informationen dazu finden Sie rechts unter "Verwandte Themen".