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1920 - 1945

Im Dienst von Demokratie und Diktatur

Innovation und Zerstörung, wirtschaftlicher Aufschwung und Weltwirtschaftkrise, die goldenen Zwanziger und der Holocaust. Wenige Jahre der extremen Gegensätze und mittendrin die Bahn.

Am 1. April 1920 unterzeichnen der Reichspräsident Friedrich Ebert und der Reichsverkehrsminister Dr. Johannes Bell den "Staatsvertrag zur Gründung der Deutschen Reichseisenbahnen". Insgesamt sieben bisher von den Ländern geführte Bahnen werden dem Deutschen Reich unterstellt. Niemand ahnte zu der Zeit, welche verheerende Entwicklung die Geschichte in nur wenigen Jahren nehmen würde.

Das DB Museum führt durch die innovationsfreudige, politisch und wirtschaftlich turbulente Zeit der Weimarer Republik und zeigt, wie die Reichsbahn der nationalsozialistischen Herrschaft diente. 

Ziergitter mit Propaganda der Deutschen Reichsbahn, Quelle: DB Museum

Ziergitter mit Propaganda der Deutschen Reichsbahn

Die Weimarer Republik 

Bereits 1924 wurde der Staatsbetrieb in eine privatwirtschaftlich orientierte Gesellschaft umgewandelt. Die neue "Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft“ sollte Gewinne erwirtschaften zur Tilgung von Kriegsschulden. Sie war darin sehr erfolgreich.

Die Ausstellung gibt tiefe Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelt der Eisenbahner, den Wohnungsbau der Reichsbahn und die Organisation von Gewerkschaften. Zu sehen sind Details aus der Zeit, beispielsweise ein Telefon des eigenen Telefonnetzes der Bahn, dem Bahnselbstanschluss (BASA), Modelle der neu entwickelten Einheitslokomotiven, sowie zahlreiche Exponate zum berühmten Schnelltriebwagen "Fliegender Hamburger“. Außerdem gibt es eine Radioreportage von der Rekordfahrt des Schienenzeppelins, ein Triebwagen mit einem hölzernen Flugzeugpropeller als Antrieb. 

Die nationalsozialistische Diktatur 1933 - 1945 

Ab 1933 änderten sich die politischen Rahmenbedingungen für die Reichsbahn grundlegend. An zahlreichen Dokumenten und Objekten zeigt die Ausstellung, wie das Unternehmen nach und nach von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde. Durch gezielte Entlassungen, massive Propaganda und Veränderungen in der Unternehmensstruktur wurde die Reichsbahn "gleichgeschaltet“. Sie erhielt zusätzliche Aufgaben, Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, die Organisation der "Kraft durch Freude-Urlaubsfahrten“, den Bau der Reichsautobahnen oder die logistische Unterstützung der nationalsozialistischen Reichsparteitage. 

Mit der Einordnung in den NS-Staat war die Bahn am Zweiten Weltkrieg und an den Verbrechen des Regimes unmittelbar beteiligt. Dokumente, Bilder und filmisch festgehaltene Berichte von Zeitzeugen belegen, dass weder der Vernichtungskrieg im Osten noch die Deportation von Millionen Juden in die Vernichtungslager ohne die Transporte der Reichsbahn möglich gewesen wären. Ein eigener Ausstellungsabschnitt dokumentiert die Beteiligung der Bahn am Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern. Die Ausstellung endet mit der Darstellung der Reichsbahn als Ziel der alliierten Luftangriffe und ihrer nahezu vollständigen Zerstörung. 

Literatur:  

• Gall, Lothar/Pohl, Manfred: Die Eisenbahn in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999.

• Gottwaldt, Alfred/Schulle, Diana: Die ‚Judendeportationen’ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005

• Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden. 9., erneut durchgesehene Auflage, 3 Bände, Frankfurt am Main 1999.

• Hilberg, Raul: Sonderzüge nach Auschwitz, Mainz 1981.

• Im Dienst von Demokratie und Diktatur. Die Reichsbahn 1920-1945. Katalog zur Dauerausstellung im DB Museum, Regensburg 2002.

• Mierzejewski, Alfred C.: The Most Valuable Asset of the Reich. A History of the German National Railway, Volume II 1933-1945, Universty of North Carolina Press 2000.

• Sonderzüge in den Tod - Die Deportationen mit der Deutschen Reichsbahn, hrsg. von Andreas Engwert und Susanne Kill (Begleitdokumentation der Deutschen Bahn AG zur gleichnamigen Wanderausstellung in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Technikmuseum und der Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum), Köln/Weimar/Wien 2009.

• Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941-1943. Begleitband zur Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg und des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2003